OMG! Wie das Internet unsere Sprache verändert

Internet Sprache

„Machstn?“ „Nix, chillen, Du?“ „Geh pumpen, cya!“ – Wie bitte? So oder so ähnlich sieht eine komplette Unterhaltung zwischen zwei Menschen per WhatsApp oder im Online Chat aus. Die Message ist klar, aber warum um alles in der Welt schreibt die heutige Generation so seltsam? Buchstaben sparen, Worte sparen, mit Memes, Emoticons und Abkürzungen antworten – all das gehört im Internet einfach dazu, so wie NetBet, Facebook und Instagram. Aber wieso hat sich die Kommunikation so stark verändert und sprechen junge Menschen etwa auch im Alltag so komisch?

Grammatik und Rechtschreibung – nein danke!

Im Internet auf Groß- und Kleinschreibung achten? Wer das tut, hat die Lacher garantiert auf seiner Seite. Lesen Sie einmal Postings auf Facebook oder gar die letzten WhatsApp Nachrichten. Sie werden schnell feststellen, dass Grammatik hier reine Interpretationssache ist, dabei ist die richtige Groß- und Kleinschreibung wichtig, zumindest in der deutschen Sprache. Für Menschen anderer Muttersprachen ist es hingegen schlicht eine Belastung, denn die US-amerikanische Sprache beispielsweise sieht die Großschreibung von Substantiven überhaupt nicht vor.

Der Lesefluss soll durch die Unterscheidung in „Groß und Klein“ verbessert werden, doch ist das im Internet wirklich wichtig? Für die Nutzerwelt nicht, denn das Verständnis für einen Kommentar, für einen Tweet oder für eine kurze WhatsApp Nachricht wird nicht beschränkt, wenn stattdessen konsequent kleingeschrieben wird. Im Gegenteil, es ist eine Zeitersparnis für den Verfasser von Texten, insbesondere dann, wenn mit dem Handy getippt wird. Immer erst die Feststelltaste drücken, damit das Smartphone aus kleinen Buchstaben große Buchstaben macht, ist schlichtweg zu mühsam geworden.

Und wenn man schon einmal dabei ist, Zeit zu sparen, können lästige Kommata doch auch einfach unter den Tisch fallen. Spätestens bei der fehlenden Interpunktion wird es dann aber schwierig, denn reine Textwüsten ohne Punkt und Komma sind kaum lesbar. Macht aber nichts, die „Wall of Text“ gehört im Netz ohnehin zu den meistgehassten Phänomenen. Gleich hinter anschreien! Ja, richtig gelesen, Sie können Menschen im Internet anschreiben. Glauben Sie nicht? Dann schreiben Sie doch einfach mal nur groß statt klein. Sie werden eine Menge Beschwerden erleben.

LOL, ROFL, FY – spart abkürzen wirklich Zeit?

Die Deutschen haben eine besondere Verbindung zu Abkürzungen, das hat die Pop-Band FANTA 4 bereits in einem Song festgehalten. Von MFG bis THC – warum kompliziert, wenn es auch ganz einfach geht? Die Kommunikation per Internet hat den Abkürzungswahn auf ein neues Level gehoben. Aber warum? Geht es auch hier nur um Zeitersparnis? Nicht nur!

Wer im Internet kommuniziert, muss auf einen wesentlichen Bestandteil der sozialen und verbalen Äußerung verzichten, auf die eigene Mimik. Wenn Ihnen draußen, im Alltag, eine andere Person einen Witz erzählt, lachen Sie und Ihr Gegenüber weiß, dass er Ihren Humor getroffen hat. Wie aber machen Sie einer anderen Person im Chat verständlich, dass Sie den gerade gelesenen Witz toll finden und dass er Sie amüsiert hat? Sie rufen nicht an, damit der andere Ihr Lachen hört. Sie nutzen einem lachenden Emoji und wenn Sie gerade keinen griffbereit haben, schreiben Sie einfach „LOL“. Ein Sinnbild dafür, dass Sie gerade lachen müssen. (LOL = Laughing out loud).

Es geht also nicht nur darum, weniger Buchstaben als nötig zu nutzen, sondern der rein schriftlichen Kommunikation ein Gesicht zu geben. Und es wäre nun wirklich zu aufwendig, bei jedem Lacher, den Ihr Chatpartner Ihnen entlockt, einen ganzen Satz zu schreiben. „Ich lache gerade, denn Dein Witz war lustig.“ Probieren Sie es aus, denn hat zumindest Ihr Chatpartner auch mal was zum Lachen. Das Internet lebt von schneller und effizienter Kommunikation, die durch Abkürzungen stärker geprägt ist als die Offline-Sprache.

Die Zeitersparnis allerdings ist ein vorgeschobenes Argument. Mal ehrlich, wie viel Zeit ersparen Sie sich am Ende des Tages, wenn Sie „Gehe Stadt“ anstatt „Ich gehe in die Stadt“ schreiben? Eine Minute? Lohnt sich das? Eher nicht. Zumal Smartphones ohnehin dank Autokorrektur aus drei Buchstaben bereits ganze Wörter bilden können, die dann per Fingertipp ausgewählt werden.

Auf die Art der Kommunikation kommt es an

Sprache ist etwas wunderschönes und es ist normal, dass sie wandelbar ist. Aus dem Wochenende wird das WE, wenn wir müde sind, ergänzen wir einen schriftlichen Text mit einem *gähn* und wenn wir überhaupt keine Lust haben, uns anzuziehen und zur Arbeit zu fahren, kürzen wir das Debakel mit einem „gar kein Bock“ schnell und aussagekräftig ab. Worte werden vor allem in Chats dafür genutzt, Emotionen zu versinnbildlichen. Und dabei haben sich die klassischen Kurzformen des Internets längst etabliert. Werbekampagnen namhafter Unternehmen greifen sie auf, Plakate werden mit „OMG – ein Hammerpreis“ bedruckt und jeder weiß, was gemeint ist.

Und doch gibt es Unterschiede in der Art der Kommunikation. Während Sie mit den besten Freunden oder der Familie locker chatten können, ohne dass Grammatik dabei eine Rolle spielt und jeder weiß, was Sie mit der Kurzform FY meinen, sollten Sie dem Chef nicht so gegenübertreten. „Sorry, komm heute l8, Bus weg, *gähn*“ – so sollte die Entschuldigung dafür, dass Sie zu spät zur Arbeit erscheinen, keinesfalls aussehen. Denn selbst wenn Ihr Chef mit seinen Freunden ähnlich kommuniziert, sollte zwischen Angestellten und Vorgesetzten die Distanz gewahrt bleiben.

Verdirbt die Fähigkeit, miteinander zu kommunizieren und zu schreiben?

Die Angst ist da, dass der Abkürzungswahn des Internets die Sprache gänzlich und unwiderruflich verändern könnte. Was, wenn junge Menschen nicht mehr in der Lage sind, ihren Aufsatz ordentlich zu schreiben, weil sie in jedem zweiten Satz ein „OMG, LOL, ROFL“ unterbringen? Ungerechtfertigte Sorgen, wie Untersuchungen bereits bewiesen haben. Junge (und ältere) Menschen sind durchaus in der Lage, zwischen einer WhatsApp-Nachricht und einer Hausarbeit an der Uni zu unterscheiden. Jeder weiß, dass der Boss nicht mit „Gude Alder“ begrüßt wird und das auch, obwohl junge Menschen das Wort „Alder“ oft inflationär benutzen und es sogar im Duden vorhanden ist. Die Fähigkeit zu differenzieren ist dem Mensch in die Wiege gelegt worden. Wir küssen ja auch unsere Partnerin und geben deshalb nicht automatisch jeder anderen Frau auch einen Kuss. Menschen wissen genau, was Internet ist und was Realität. Sie können unterscheiden zwischen einem schnell getippten Text per WhatsApp und einem Geschäftsbrief an einen Kunden. Auch wenn das Internet die Sprache verändert, wird es keinen negativen Einfluss auf die Kommunikationsfähigkeiten haben.

Über Christian 18 Artikel
31 Jahre alt, gebürtig aus Cuxhaven und bekennender Kaffeejunkie :-). Viel Spaß beim Stöbern!